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Woran hängt es, Max Plenert?
(Pub. Juli 2004)
Publiziert am: 08.07.04 - Medienformen: Medienform Text

hanfjournal 04juli artikel Woran hängt es, Max Plenert?

Das Hanf Journal Seedwest wird in den kommenden Ausgaben den drogenpolitischen Kämpfern im Südwesten Deutschlands, inner- und außerhalb von Parteien, folgende Fragen stellen: „Woran hängt es, dass der Hanf noch nicht legalisiert wurde?“ und „Wie kämpfst du dafür?“. Unser erster Gesprächspartner war Max Plenert, Sprecher des Fachforums Drogen der Grünen Jugend (GJ), Drogenpolitischer Sprecher der Grünen Jugend Hessen und Mitglied im Bundesnetzwerk Drogenpolitik bei Bündnis90/Die Grünen.

Hanf Journal: „Was steht zwischen uns und einer vernünftigen Drogenpolitik? Woran hängt es, dass der Hanf noch nicht legalisiert wurde?“

Max Plenert: „Diese Frage zu beantworten ist eine schwierige Aufgabe, denn es spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Wolfgang Neskovic meinte einmal (Anm. d. Red.: Richter des Lübecker Cannabis-Urteils von 1992): „Die gegenwärtige Drogengesetzgebung lässt sich nur deshalb praktizieren, weil in der Bevölkerung ein entsprechendes Informationsdefizit herrscht!“. Ich denke, das ist ein ganz wesentlicher Knackpunkt bei vielen Diskussionen.“

Hanf Journal: „Deshalb versuchen wir mit dem Hanf Journal ja auch die Leute aufzuklären.“

Max Plenert: „Ja, das ist eine wichtige Aufgabe! Abgesehen davon gibt es noch eine Vielzahl anderer Faktoren. Der Bevölkerung fehlt eine Vorstellung über die negativen Folgen dieser verfehlten Politik auf die Gesamtgesellschaft. Auch viele Kiffer jammern erst über die Prohibition, wenn sie selbst erwischt worden sind. Vorher heißt es meist: „Mir doch egal, ich kiffe trotzdem!“. Für konservative Politiker ist die Drogenpolitik ein Vehikel ihre Vorstellungen von „Law and Order“ umzusetzen. Vor dem 11. 09. war der „internationale Rauschgifthandel“ das Thema der Wahl, um Sicherheitspakte und Lauschangriffe scheinbar zu legitimieren. International dient die Prohibition auch den Machtinteressen verschiedener Staaten, allen voran den USA, zur Finanzierung von CIA, Terroristen und anderen „Freunden“. Last, but not least kann ich mir auch vorstellen, dass das Profitinteresse der Pharmazie-Branche eine bedeutende Rolle spielt. Schlussendlich ist die Geschichte der Prohibition die Geschichte der weiterhin festen Verankerung der säkularisierten, calvinistischen Ethik namens Kapitalismus und anderer Rausch ablehnender Kräfte wie z. B. der drei abrahamitischen Religionen.“ (Anm. d. Red. Christentum, Judentum, Islam)

Hanf Journal: „Du bist kürzlich zum Sprecher des Fachforums Drogenpolitik bei der Grünen Jugend gewählt worden. Was ist das Fachforum und welche Ziele verfolgt ihr?“

Max Plenert: „Wir sind eine bundesweit aktive Arbeitsgruppe. Unsere Aufgaben reichen von praktischen Dingen wie der Vertretung der GJ bei drogenpolitischen Veranstaltungen wie der Hanf Parade oder dem Million Marijuana March und der Erstellung von Info- und Werbematerialien wie Flyern, Tütchen und Filtertipps bis hin zu programmatischer Arbeit, wie dem drogenpolitischen Grundsatzprogramm der GJ. Man könnte uns als drogenpolitischen Thinktank der Grünen bezeichnen.“

Hanf Journal: „Gibt es denn etwas nachzudenken? Der Hanf muss legalisiert werden!“

Max Plenert: „Nicht nur der Hanf müsste legal sein . . .“

Hanf Journal: „Heroin etwa auch?“

Max Plenert: „ Ja. Wobei dies kein 100-prozentiger Konsens in der Grünen Jugend ist.“

Hanf Journal: „Soll sich jeder 15-Jährige seinen nächsten Schuss einfach am Kiosk nebenan kaufen können?“

Max Plenert: „Eher nein, weil mir 15-Jährige doch etwas zu unreif erscheinen.“

Hanf Journal: „Wann ist man denn alt genug für die Heroin-Sucht?“

Max Plenert: „Erstens ist Heroin-Konsum nicht gleich Heroin-Sucht und zweitens würde ich nicht nach dem Alter gehen und statt dessen einen Drogenführerschein einführen, zumindest für stärkere Drogen wie Heroin oder Kokain. Und warum denn ein „Schuss“ ? Heroin kann man wunderbar und weniger gefährlich rauchen. Der intravenöse Konsum ist zwar der effektivste, weswegen er in stark prohibitionistischen Ländern wie der BRD so beliebt ist, aber gleichzeitig auch der ungesündeste.“

Hanf Journal: „Ja, das kennen wir Kiffer ja auch, bloß nichts verschwenden . . .“

Max Plenert: „In den Niederlanden ist Sniffen (Anm. d. Red.: Konsum durch die Nase) und Rauchen um ein Vielfaches verbreiteter.“

Hanf Journal: „Macht diese Konsumform denn weniger abhängig?“

Max Plenert: „Nein! Der Vorteil dieser Konsumform liegt u. a. in der Minimierung der Infektionsgefahr! Safer Use ist auch beim intravenösen Konsum machbar, aber schwieriger zu realisieren. Außerdem ist gerade beim Rauchen „nur“ die Lunge dran, während Verunreinigungen in der Blutbahn wesentlich problematischer sind und das ist das eigentliche Hauptproblem: der dreckige Stoff, bei dem man nie weiß wie viel Wirkstoff er eigentlich beinhaltet. Wenn man das Heroin im Drogenfachgeschäft bekommen würde, wüsste man immerhin über den Reinheitsgehalt Bescheid und könnte gezielt dosieren, derzeit ist das leider unmöglich.“

Hanf Journal: „Ihr seid also für die Legalisierung aller Drogen?“

Max Plenert: „Bei Cannabis ein klares Ja, aber auch alle andere Drogen sollten je nach Substanz, kontrolliert, von Fachleuten oder Fachverkäufern, unter bestimmten Bedingungen, vergeben werden dürfen! Und parallel dazu die Entkriminalisierung aller Drogenkonsumenten. Das heißt kein geduldeter Markt, sondern ein kontrollierter im Sinne von Jugend- und Verbraucherschutz. Gerade bei Drogen sollte man genau wissen was man da eigentlich gekauft hat.“

Hanf Journal: „Also Pilze beispielsweise in „Smartshops“ verkaufen, ähnlich wie in den Niederlanden. Aber was ist mit Datura, dem Stechapfel? Beim Gebrauch dieses starken Entheogens würden doch viele Unfälle passieren, oder?“

Max Planert: „Ich denke es ist nicht sinnvoll eine Droge zu verbieten, die trotzdem verfügbar bleibt. Der Stechapfel ist ja legal, aber eben fast vollkommen unkontrolliert verfügbar. Da stelle ich den Leuten, die sich berauschen wollen, doch lieber Psylocibin oder LSD zur Verfügung, welches sich sicherer dosieren lässt. Und warum wird der Stechapfel oder die Engelstrompete überhaupt konsumiert? Weil sie am einfachsten verfügbar sind, z. B. in Nachbars Garten.“

Hanf Journal: „Ja, da wachsen überall wirklich starke Halluzinogene und wir dürfen nicht mal ein bisschen sanftes Hanf anbauen!“

Max Plenert: „Leider und das wird sich so schnell auch nicht ändern lassen, aber ich bin der festen Überzeugung, eine alternative Drogenpolitik ist möglich!“

Hanf Journal: „Wir danken dir für dieses Interview, deine progressiven Statements und wünschen dir und uns viel Erfolg beim Legalisieren!“

Infos: www.max-plenert.de; www.gruene-jugend.de



Interview: Sokratis Zacharopou


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