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"Der kalte Krieg" oder "DiscoFox und Schickymicky"
(Pub. Februar 2004)
Publiziert am: 11.02.04 - Medienformen: Medienform Text


Es war einmal . . . da wurde so manche spätere Hanfaktivistin gerade eingeschult, andere lagen noch in den Windeln. Es war das Jahrzehnt des Disco-Fox, der breiten Entdeckung von Pop, Schulterpolstern und der schickymicky Droge Koks – die 80er.

Der (west-)deutsche Staatsapparat glaubt nach den wilden 70ern das Problem „Droge“ erkannt zu haben und trieb die Ästchen der Prohibition in alle Bereiche des Lebens. Aufklärung und Prävention waren die Zauberwörter. Es sollte Schluss sein mit verführten Kindern, mit Polizeibeamten, die Oregano nicht von Marihuana unterscheiden konnten und Koks nicht von Waschmittel. Wie in den 70ern das Schweigen zelebriert wurde, ging nun die Poizei mit echter Aufklärung, aber auch Ammenmärchen in bester Prohibitionsmanier in Klassenzimmer, Jugendzentren und Altenheime. Die Jugend musste vor den Drogen doch gerettet werden! „Drogen“ wurden der gesellschaftliche Alptraum. Filme, wie „Christiane F.“ sollten das Übel der Drogenszene zeigen. Zur Heroinnadel sei es nur ein Atemzug - an einem Joint. In der Tat lies eine Schwemme an Heroin die Zahl der „Drogentoten“ in Höhen schnellen, die heute nicht mehr vorstellbar ist. Denn es fehlte an Substitution und echter Beratung. Selbsthilfegruppen betroffener Eltern, aber auch die ersten z.T. heute noch bestehenden autonomen Drogenberatungsstellen entstanden. Cannabisliebhaber konsumierten eher im verborgenen, bemüht nicht aufzufallen und sich vor den Armen des Gesetzes zu verstecken, aber natürlich gab es sie. Die Zeit des Widerstandes war noch nicht gekommen. Noch rüstete der repressive Staat zu „Keine Macht den Drogen“.
Wie weltweit, so setzte ab 1980 auch in der BRD eine Verschärfung des Drogenrechts ein. 1981 wurde mit dem Gesetz zur Neuordnung des Betäubungsmittelrechts, der Betäubungsmittel-Kostenverordnung (BtMKostV) und der Betäubungsmittel-Außenhandelsverordnung (BtMAHV) noch herumgestückelt. Am 28.07.1982 wurde das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) komplett neu gefasst. Mit einigen verschärfenden Konkretisierungen: Anbau von Hanf wurde verboten, unabhängig vom THC Gehalt. Ausnahmen gibt es für wissenschaftlich -/medizinische Zwecke und die Rübenzucht. In Malaysia wurde 1983 für Cannabisbesitz ab 200 Gramm sogar die Todesstrafe eingeführt.
In dem Übereinkommen der Vereinten Nationen UN über den unerlaubten Verkehr von Suchtstoffen und psychotropen Substanzen von 1988, wurde unter anderem das Cannabisverbot bekräftigt. Die Unterzeichner verpflichteten sich zu Verhängung hoher Strafen beim illegalen Umgang und zu besonderen Maßnahmen gegen den illegalen Anbau.
Gegen Ende des Jahrzehnts blizte ein Hoffnungsschimmer auf: Das erste Hanfmuseum Europas öffnet in Amsterdam seine Tore, The Hash Marijuana Hemp Museum Amsterdam. Ab 1989 erscheint der „BtM Kurier“ als erste deutsche Hanfzeitung.

Und wenn Euch heute Selbsthilfegruppen, auf grauem Papier gedruckte Hanf-Informations-Bücher langweilig vorkommen, dann fragt Euch mal, wo wir heute ohne sie stehen würden.