wirtschaft
CannaTrade.ch in Bern
(Pub. April 2004)
Publiziert am: 07.04.04 - Medienformen:
Scribblez Skatetour 2005


Der Jahresbeginn schien dieses Jahr den Hanf-Messen zu gehören. Erst eine in Utrecht, dann Barcelona und zu guter Letzt noch das Highlight in Bern. War dies früher noch die Messe neben meiner Haustür, jawohl ich lebte einst in Bayern, hieß es dieses Mal elf Stunden Autofahrt. Aber ob ihr es glaubt oder nicht, jeder der vier Insassen hat unbeschadet überlebt und jeder konnte anschließend sogar noch als zurechnungsfähig bezeichnet werden.

So oder so kamen irgendwie alle in Bern an, doch muss vorweg gesagt werden, dass es einige Kollegen wirklich schwer hatten. Unsere solidarischen Grüße gehen an dieser Stelle an Mila von Pillinator. Die Arme und ihre Crew machten in Deutschland Bekanntschaft mit dem DrugWipeTest. Dieser stürzte gerade den Fahrer des Wagens in große Probleme. Denn natürlich würde er niemals bekifft Auto fahren, doch die Abbauprodukte sind auch bei Holländern viel länger im Schweiß nachweisbar als das THC wirkt. Und so schafften sie es erst in buchstäblich letzter Sekunde, am Freitag früh in Bern bei der Messehalle einzutreffen und den Stand aufzubauen, denn es dauerte so seine Zeit, bis jemanden gefunden wurde der in den letzten Tagen nicht gekifft hatte. Am Schluss hat es aber auch die deutsche Polizei nicht geschafft Mila und ihre Mannen davon abzuhalten auf die CannTrade.ch zu kommen.

Dies galt übrigens für sehr viele Menschen, die sich wieder einmal nicht abhalten ließen, auf die Schweizer Hanf-Messe zu strömen. Stolze 14.000 Besucher durchquerten dieses Jahr die Hallentüren und besichtigten die neusten Produkte der Hanf-Szene, darunter waren 900 Fachbesucher. Als ich das erste Mal die neue Halle in Bern sah, staunte ich nicht schlecht ob dieser Fläche, dieser Größe und dieser Räumlichkeit. Und auch wenn ich beim Betreten der Halle mir nicht vorstellen konnte, dass diese Räumlichkeiten mit Besuchern gefüllt wird, so wurde ich doch eines Besseren belehrt. Auch das muss so erwähnt werden, Marco Kuhn zauberte wiedereinmal eine vorzügliche Messe aus dem Ärmel. Die Atmosphäre war gut, gerade durch die vielen Hanfpflanzen, die überall herumstanden, die interessanten Vorträge und die vielen verschiedenen Aussteller brachten ein Flair in die Bude, das in Europa bisweilen seines Gleichen sucht. Zwar kamen die meisten Aussteller ganz schön ins Schwitzen, wenn sie von den vielen Messen sprachen und sich beklagten, dass derzeit eine die andere jagen würde (Highlife in Utrecht und Spannabis in Barcelona waren auch schon in diesem Jahr), aber mindestens genauso geschwitzt haben sie, wenn sie mir erzählten, wie viel Arbeit sie von der CannaTrade.ch mitnehmen, da sie so viel Aufträge erhalten und verkauft haben. Und so passt es auch super ins Bild, dass irgendwann einmal Marco Kuhn mich mit einem verschwitzten fröhlichem Lächeln im Gesicht fragte, ob ich nicht einmal für ihn eine ausverkaufte Samen-Preisliste fotografieren würde. Einen besonderen Pluspunkt bekommt diese Messe auch für die Tatsache, dass 15 Verbänden aus der ganzen Welt die Möglichkeit hatten, sich in Bern kostenlos zu präsentieren. Und so kam es dass sich Verbände wie der VfD erstmals mit den Vertretern der amerikanischen „Norml“-Initiative trafen. Die CannaTrade.ch hat mit dieser Ausstellung wieder einmal gezeigt, dass sie nicht zu Unrecht von vielen als die führende Hanf-Messe in Europa angesehen wird. Auch für die InterHanf, die im September in Berlin stattfinden wird und von Marco Kuhn und dem Hanf Journal zusammen organisiert wird, ist nun die CannaTrade04 eine gute Visitenkarte, auf die sicherlich viele Aussteller weiter setzen werden.

Auch das Programm der CannaTrade.ch war hervorragend. So gab es wie immer eine Modeschau, Vorträgen zu Cannabis in der Medizin oder Growing. Auch Jorge Cervantes, der Halbgott des Growings und ab sofort auch Autor im Hanf Journal, referierte über die besten Methoden des Cannabis-Anbaus. Daneben gab es noch einen Jointwettbewerb und natürlich den CannabisSwissCup. Zwar gab es dieses Jahr keine politischen Joints wie letztes Mal, dafür gewann dieses Jahr mein Favorit eindeutig den Jointkontest. Beim CannabisSwissCup hatten mal wieder alle Besucher die Möglichkeit dabeizusein. Für einen kleinen Unkostenbeitrag konnte man einen Schatulle mit sechs verschiedenen Gras-Sorten erwerben. Wer dies hatte war mit in der Jury und durfte das beste Schweizer Gras mitbestimmen. Am Ende gewann die Sorte Erdbeere. Leider war es den Veranstaltern nicht möglich die Anbauer selbst zu zeigen, da diese sich vor Verfolgung durch die Staatsmacht fürchteten. Zu guter Letzt kamen dann aber dennoch drei überzeugte Hanf-Bauern auf die Tribüne und ließen sich feiern.

Auf der Messe gab es fast alle Exoten und viel Überraschendes. So wurden beispielsweise Hanf-Buds zu Schlüsselanhängern verarbeitet, indem der Bud mit Plastik umrundet wurde. Das ist zwar schön, bringt aber auch immer eine gewisse Trauer über einen und man stellt sich mit der Zeit die Frage: Wo stecken die Schweizer bald noch alles Hanf hinein und haben die davon zu viel? Aber all dies konnten wir noch nicht beantworten und freuten uns eher über solch hübsche Schlüsselanhänger, die, da das Gras so vollkommen zerstört wurde, völlig legal sind. Auch bei einem Biss in den Käsekuchen durfte ich die Exoten der Schweiz kennen lernen, denn in diesem Käsekuchen war tatsächlich Käse und er war deftig und nicht süß. Schmeckte zwar überraschend und gerade Georg Wurth, dem Geschäftsführer des Deutschen Hanf Verbandes (DHV), entglitten bei seinem ersten Biss ein wenig die Gesichtszüge und dennoch schaffte es diese Mahlzeit zu meinem persönlichen Messe-Lieblingsessen aufzusteigen.

Die Abende endeten auf dieser Messe für mich immer sofort nach dem Essen, so geschafft war ich. Am ersten Abend war der berühmt-berüchtigte Ausstellerabend, mit viel Essen und reichhaltig Klatsch und Tratsch. Und so traf ich dort auch wieder unseren lieben Künstler von Ivan.Art, der auf dieser CannaTrade.ch sogar einen eigenen Stand hatte und konnte mit den Jungs von Unicomundo klären, dass sie mir ihr neues Säuberungs-Set zum Testen schicken werden. Am zweiten Abend wurde ich wieder einmal von dem lieben Düngerhersteller Canna zum Essen geladen. Mit dabei waren hier auch die Chefs der „Hemp Industries Association“ die vor kurzem erst Nutzhanf in den USA legalisiert haben und das mit dem selben Richter, der es einst verboten hatte. Ein nettes Essen, das wieder einmal zeigte, das Canna es versteht, eine interessante Auswahl an Menschen an einen Tisch zu bringen.

Was an der Messe noch wirklich erwähnenswert ist, ist der große und freundliche Stand der Schweizer Hanf-Koordination (SHK). Dieser ähnelte eher einem edlen Kaufhaus. In der Mitte war eine Kasse und drum herum standen die verschiedensten Produkte zusammen mit ihren Herstellern. Somit hatten auch kleine Firmen die Möglichkeit ihre Produkte zu präsentieren. Darunter waren zum Beispiel auch Greenhouse Hanf Kontor, welche das Shampoo herstellen, das ich nun schon seit über einem Jahr benutze. Auch Lotti sei an dieser Stelle gegrüßt. Sie zeigte sich von ihrer Schokoladenseite und verführte uns mit leckersten Schmankerln.

Die Messe in Bern war, wie schon gesagt ein voller Erfolg. Sie machte einen Heidenspaß und schaffte mich zumindest vollkommen. Drei Tage volles Haus, da muss man erst mal durch.

Werner Graf