wirtschaft
Der Hanf boomt weiter
Ein Überblick über die wichtigsten Hanfmessen in Europa
(pub. Juni 2003)
Publiziert am: 02.06.03 - Medienformen:


Die Wirtschaft in Europa scheint am Boden zu sein. Zumindest erzählen uns dies führende Tages- und Wochenzeitungen des ganzen Kontinents. Für die Hanfbranche scheint dies jedoch nicht zu gelten. Hanfmessen sind in den letzten Jahren nur so aus dem Boden geschossen. Fast jedes Land hat seine eigene. Das Hanf Journal gibt euch einen kleinen Überblick, was rund um Deutschland so abgeht.

Zuviel ist ungesund – zu wenig aber meistens langweilig. Und genau deshalb scheint es derzeit in der Cannabis-Szene eine klare Zuspitzung in Europa auf 6 Messen in 5 Ländern zu geben. Von der amerikanischen Messe in Holland über eine urschweizerische Aktionsmesse bis hin zu einer eher kleinen verträumten Messe in Frankreich scheint der Kuchen allmählich aufgeteilt zu sein.
Gerade für den deutschsprachigen Raum sind sowohl die CannaTrade.ch als auch die CannaBusiness von zentraler Bedeutung. Mit dem „Swiss Cannabis Cup“ – eine Art Graskontest – zeichnet sich gerade die CannaTrade.ch als der Tipp für alle Kiffer aus. Vom Jointbauwettbewerb über politische Diskussionen bis hin zu internationaler Vernetzung setzt die CannaTrade.ch jedes Jahr aufs Neue hohe Maßstäbe für die Konkurrenz. Die hohen Preise, die man in Bern jedes Jahr antrifft, sind zwar jedes mal erschreckend, doch eines ist sicher, diese Messe ist es wert. Auch die CannaBusiness versucht - wie die CannaTrade.ch - international zu punkten. Dabei lag letztes Jahr das Augenmerk der Veranstalter im Nutzhanfbereich. Zwar waren die Aussteller mehrheitlich von der „Kiff-Fraktion“, doch wurden gerade gegenüber der Presse immer wieder die alternativen Einsatzmöglichkeiten des Hanfes betont.
Als weitere Verbündete steht die HighLife Hempfair in den Niederlanden auf dem Plan. Noch mehr als die CannaTrade.ch lockt diese Messe gerade durch die liberale Politik im Land viele Kiffer an. Diese Messe ist eindeutig chaotischer geplant und gerade das Rahmenprogramm gerät hier – oft auch durch das breite Publikum – eher in den Hintergrund. Dies ist zwar schade, stört aber nicht weiter. Denn wenn man schon mal Holland besucht, hat man meist auch andere Interessen als ein gefülltes Rahmenprogramm. Neben den Ständen ziehen eben auch Coffee Shops, von denen Utrecht eine Menge zu bieten hat, viele Besucher aus Nah und Fern an.
Die drei weiteren Messen unterscheiden sich von den ersten Dreien noch um Welten. Am ähnlichsten ist wohl das „Festival du Chavre“ in Paris. Eine eher kleine, noch am wachsen befindliche Produktshow, die gerade durch ihren familiären Charakter überzeugt. Das Konzept dieser Messe wurde vor kurzem erst umgestellt. Nachdem sie in den letzten Jahren immer in einer anderen französischen Stadt stattfand, haben sich die noch sehr jungen und engagierten Organisatoren dieses Festivals dazu durchgerungen, sie nun doch nur noch in Paris stattfinden zu lassen. Genau dies könnte die Chance sein, diese Messe an die Spitze der Europäer zu führen. Selbst Marco Kuhn, der schillernde Organisator der CannaTrade.ch, wurde letztes Jahr auf dieser Messe mit einem Stand gesichtet. Und allein schon die Tatsache, dass der wohl wichtigste Hanflobbyist der Schweiz hier auftaucht, zeugt vom Zukunftspotential dieser Messe.
In Spanien gibt es derzeit zwei verschiedene Messen. Die wohl wichtigere ist wohl die BioNatura. Diese Messe ist eindeutig eine Biomesse mit angeschlossenem (Nutz-)Hanf-Areal. Dies spiegelt sich bei den Ständen, den Besuchern und auch beim Flair wieder. Für Kiffer ist es wohl nicht unbedingt das Highlight des Jahres. Für Interessierte, Lobbyisten und Umweltfreaks jedenfalls ein Pflichttermin.
Absolut anders, überraschend und auch total uneuropäisch ist der High Times Cup. Die führende amerikanische Hanfzeitung, die High Times, veranstaltet diese Messe jedes Jahr in Amsterdam. Dafür werden eigens amerikanische Firmen und amerikanische Besucher nach Amsterdam verschifft und dort dem freien Cannabiskonsum ausgesetzt. Diese Messe ist ein Erlebnis der amerikanischen Art. Neben Pflichtterminen in über 30 CoffeeShops und Partys mit Werbeeinblendungen von Seedbanken sind viele einzelne Programmpunkte angeboten. Die amerikanischen Gäste sollen schließlich eine Woche lang unterhalten werden. Den amerikanischen Flair muss man mögen, oder sich zumindest einmal dafür interessieren.

Jede Messe bietet so ihre Eigenarten, hat ihren eigenen Flair und spricht unterschiedliche Gruppen an. Man muss nicht alle besuchen, jedoch eine bis zwei im Jahr macht definitiv Spaß. Eines gibt es auf jeder Messe: Einige neue und viele altbekannte Gesichter und Produkte. Das Hanf Journal wird für euch weiterhin alle besuchen, um von den neusten Trends in der Hanfszene zu berichten.

Werner Graf