wirtschaft
Der Weg zum Vaporizer - HD 1995
(pub. nov.02)
Publiziert am: 05.11.02 - Medienformen:
Scribblez Skatetour 2005


Zugegeben, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Verdient werden muß es trotzdem erst mal. Und so eröffnete ich Anfang der neunziger Jahre, auch mangels originellerer Einfälle, einen kleinen Laden in der Heidelberger Altstadt. Laden? Na ja, eigentlich war es mehr ein Stehcafé. Aber auch ein Partyservice, eine Bier- und Spirituosenhandlung, eine Nudelfabrik sogar und ein winziges italienisches Restaurant. Kurz, wir führten, was man ein gemischtes Warensortiment nennt.
Und gemischt war auch das Publikum. Da die Stadt die von uns beantragten Stehtische nicht genehmigt hatte, saßen unsere Gäste Sommers auf leeren Bierkästen, die wir vor die Haustüre stellten: Professoren und Anwälte; Handwerker, Hausfrauen und Studenten - und Künstler. Künstler? Das waren Maler (wenige), Galeristen (einige), Schriftsteller (eine Hand voll) und Musiker (viele). Und "der Erfinder" (einer). Und der hieß in unserem Falle Frank Fuchs. Frank kam jeden Morgen zum Kaffee, blieb ein knappes Stündchen und erzählte von seinen neuesten Einfällen. Manchmal gab es sogar kleine Führungen durch sein Haus und da gab es natürlich genug zum Staunen. Aus einer alten Klimaanlage waren Bücherregale geworden, die Badewanne wurde zum Benutzen von der Decke abgesenkt. Computer fiepten in der Ecke. Und irgendwie war hier alles anders. Märchenhaft anders. Und vom Märchen zurück in die rauhe Wirklichkeit: selbst die Bedienung der Klospülung setzte technische Grundkenntnisse voraus.
Im Sommer '95 war Frank plötzlich nervöser als wir das sonst von ihm kannten. Schließlich verschwand er sogar für ein paar Tage. Eigentlich doch recht merkwürdig. Aber noch bevor wir uns allzuviele Fragen über seinen Verbleib stellen konnten, tauchte er wieder auf. Er erschien wie immer zu früher Stunde, nur dass er einen Aktenordner unterm Arm trug, und das war dann doch wieder außergewöhnlich bei jemandem, den man nicht als Büromenschen kannte. Wieso der Ordner?
Und Frank erzählte uns, dass er eben aus München zurückkomme, wo er beim Patentamt war, um seine neueste Erfindung anzumelden. Ein Gerät zur schadstofffreien Inhalation von Heilkräutern. Und den Prototypen hatte er auch schon dabei: nur hieß der AroMed Vaporizer damals noch "aromizer" und war ein unauffälliges, kantiges Aluminiumkästchen. Den Herren in München schien er aber trotzdem gefallen zu haben, denn ein paar Monate später erteilten sie das DBGM. Was soviel heißt wie Deutsches Bundesgebrauchsmuster. Der Serienherstellung sollte also eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Die Firma dazu hatte Frank schließlich schon 1995 gegründet: research & experience.
Wieso es dann doch noch unerwartete Schwierigkeiten gab und warum der Vaporizer von AroMed Vaporizer heißt, im nächsten Hanf Journal.
Pol Sax