wirtschaft
IACM 2nd Conference on Cannabinoids in Medicine
(Pub. Oktober 2003)
Publiziert am: 30.09.03 - Medienformen:
bushplanet.tv


Mitte September hatten Experten zum Thema „Cannabinoide in der Medizin“ wieder die Möglichkeit sich auszutauschen. Der zweite wissenschaftliche Kongress der IACM (International Association Cannabis as Medicine) in Kooperation mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Anästhesiologie fand dafür an der Universität Köln statt. Über 40 Referenten stellten dabei neueste Studien, Erfahrungen und Denkanstöße zu therapeutischen Verfahren mit Cannabis vor. Redner waren beispielsweise: Prof. Dr. Raphael Mechoulam aus Israel, der 1964 das THC und 1992 das erste körpereigene Cannabinoid, Anandamid, entdeckte, Prof. Dr. Donald Abrams aus den USA, der an der Universität Kalifornien die Wirkung von gerauchtem Marihuana bei HIV-Infizierten untersucht, Clare Hodges aus Großbritannien, die selbst an multipler Sklerose leidet und Vorsitzende der Patientenorganisation Alliance for Cannabis Therapeutics ist, Dr. Willem Scholten, der das Büro für medizinisches Cannabis beim holländischen Gesundheitsministerium leitet, Dr. Martin Schnelle, ärztlicher Leiter des Instituts für onkologische und immunologische Forschung in Berlin und viele andere.
Seit 1998 darf Dronabinol (D9-Tetrahydrogencannabinol), der isolierte Hauptwirkstoff der Marihuanapflanze, in Deutschland aus Faserhanf hergestellt und verschrieben werden. Mittlerweile gibt es zwei Pharmaunternehmen (THC Pharm und Delta 9 Pharma), die dieses Präparat herstellen und an Apotheken versenden. Doch Cannabisprodukte sind keine Wundermittel. Vielen Patienten helfen sie nicht oder nur wenig, während andere sehr gut profitieren. Im Folgenden sollen einige Therapiemöglichkeiten genannt werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – soweit sich dieser mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Ansonsten steht Ihnen bei Fragen und den Wunsch nach mehr Informationsmaterial gerne die ACM/IACM in Köln (Mo–Fr. 14.00–18-00 Uhr, Fon: +49 (0)2 21–9 12 30 33, www.cannabis-med.org) zur Verfügung.

Glaukom:
Marihuanarauchen und die orale Gabe von THC in Dosen von 10 bis 20 mg senken den Augen-Innendruck bei Gesunden und bei Menschen mit erhöhtem Augen-Innendruck um durchschnittlich 25–30 Prozent

Asthma:
Die Wirkungen einer Marihuanazigarette bzw. von 15 mg oralem THC entsprechen hinsichtlich der bronchienerweiternden Wirkung etwa den therapeutischen Dosen bekannter Asthmamittel wie Salbutamol. Nach der Inhalation hält die Wirkung etwa zwei Stunden an.

Übelkeit und Erbrechen:
Der Einsatz bei Nebenwirkungen der Krebs-Chemotherapie ist am besten in klinischen Studien untersucht. Cannabisprodukte haben allerdings bei dieser Erkrankung erheblich an Einfluss verloren, da andere moderne Medikamente (Serotoninantagonisten) meistens wirksamer sind. Sie werden jedoch gerne bei anderen Ursachen von Übelkeit eingesetzt, vor allem bei AIDS und Hepatitis C.

Schmerzzustände:
THC erwies sich in einer oralen Dosis von 15 bzw. 20 mg als gut wirksam bei Schmerzen von Krebspatienten. In einer Einzelfall-Doppelblindstudie (weder Arzt noch Patient wissen, ob Placebo verabreicht wird oder nicht) konnte ein Patient mit Mittelmeerfieber unter 5–10 mg THC die Bedarfsmedikation mit Opiaten deutlich vermindern.
Raoul Rossmann