wirtschaft
CannaBusiness 2003
(Pub. Oktober 2003)
Publiziert am: 30.09.03 - Medienformen:
bushplanet.tv


Messen zu Hanf und Kiffen gibt es immer mehr. In jedem Land sprießen sie aus dem Boden und zeigen die Pracht der Hanfindustrie – national wie international. Die deutsche CannaBusiness machte dieses Jahr zum achten Mal ihre Tore auf und zählt somit zu den ältesten Messen zu diesem Thema. Doch von der einstigen Innovationskraft aus Deutschland ist nicht mehr viel zu spüren – eher ein Dahindümpeln mit leichtem Niveauanstieg.

Das Programm kündigte sich sehr hochtrabend an. Am Freitag zu Beginn stand die Eröffnungskonferenz mit traditionellem Hanfkuchen auf dem Plan. Nur leider musste diese Veranstaltung wegen mangelnder Presseteilnahme ins Wasser fallen. Auch die Eröffnungsrede des B2B-Abends des Veranstalters Hendrik Düppe wurde wegen mangelnder Besucherzahlen im Biergarten unangekündigt abgeblasen. Die wartenden Gäste und Journalisten merkten es spätestens nach einer halben Stunde Dummrumstehen vor der Hauptbühne. Auch der Rest des Programms schien eher von Zufällen und Verzögerungen bestimmt.

Trotz dieser als typisch für Kiffer erscheinende Probleme war diese Messe fast schon das Gegenteil einer Kiffermesse. „Der Hanf muss weg vom Kifferimage!“ war das meistzulesende Zitat von den Veranstaltern und genau das merkte man auch auf der Messe. Standbesitzer wurden ständig angehalten nicht zu kiffen . Sei es mit Ermahnungen durch die Ordner oder eindringliche Moralappellen der Veranstalter. Auch das Feeling in der Halle war eher dem Industriehanf gewidmet als den Kiffern, und das obwohl es bei über 90 Prozent der anwesenden Firmen um Kiffer geht. Chillige Ecken, Hanfpflanzen oder auch witzige Programmaktionen wie Joint-dreh-Wettbewerbe fehlten ganz. Auch das Verständnis für und die Unterstützung von BTMG-Sündern vonseiten der Veranstalter schien zu fehlen, denn so wurde selbst bei der Festnahme des Chefs von Futurola wegen 1,5 Gramm Marihuana nicht weiter eingegriffen. Dieser musste für diese 1,5 Gramm 150 Euro an die deutsche Polizei berappen und konnte erst nach einer Stunde das Revier in Castrop-Rauxel wieder verlassen.

Zu guter Letzt sei noch die Besucherzahl angesprochen. Denn dieses Nutzhanfimage der CannaBusiness scheint auch auf die Endkonsumentenzahlen niederzuschlagen. So kann die CannaTrade.ch aus Bern mit stolzen 11.000 Besuchern auf der letzten Messe aufwarten. Die CannaBusiness schafft es dieses Jahr nur auf 3.000. Wohl nicht nur die fehlende Verbundenheit zu den Kiffern und ihren Bedürfnissen scheint für eine so niedrige Zahl zu sprechen, sondern auch die Stadt. Welcher Kiffer will schon seinen Abend in Castrop-Rauxel verbringen, der laut Radio Fritz (Nürnberg) kulturlosesten Stadt Deutschlands?

Es war mal wieder dasselbe wie letztes Jahr, nur das Essen war um Welten besser. Warum derzeit gerade auf Deutschlands Messe, die sich anschickt die weltbeste Hanfmesse zu sein, so viel schief geht, ist schon erstaunlich. Auch Stagnation auf niedrigem Niveau muss thematisiert werden. Die Veranstalter haben bereits angekündigt auch nächstes Jahr wieder in Castrop-Rauxel die Messe abzuhalten, ob sie dann aber auch etwas besser wird, kann wohl bezweifelt werden. Deutschland hat auf jeden Fall etwas Besseres verdient . . .


Werner Graf